Wirklich mehr junge Kiffer in Deutschland? Studie zum Cannabis Konsum unter Jugendlichen

Drogenbeauftrage Marlene Mortler und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben gestern eine neue Studium herausgebracht.

Diese Studie legt dar, dass mehr junge Menschen im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren Cannabis konsumieren.

Medien wie Spiegel und das Abendblatt sind sofort auf die Studie aufgesprungen und haben Artikel mit der Überschrift wie “Cannabis-Konsum: Zahl junger Kiffer in Deutschland stark gestiegen” (Spiegel), “Deutlich mehr junge Kiffer” (Sächsische Zeitung) oder “Immer mehr Jugendliche Kiffer” (n-tv) publiziert.

Diese Studie, und die Pressemitteilungen die sich daraus ergeben, sind natürlich sehr Willkommen bei Politikern wie unserer Drogenbeauftragen Marlene Mortler von der CSU. Jetzt haben Politiker, die ja schon immer gesagt haben, dass eine Legalisierung oder Verharmlosung von Cannabis den Konsum unter Jugendlichen erhöhen wird, ein gefundene Meldung.

Die Studie zum Konsum von Cannabis unter Jugendlichen in Deutschland wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführt.

Es wurden 7,000 Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Jahr 2014 telefonisch befragt. In den Pressemitteilungen von Spiegel und Co. heißt es zum Beispiel:

“So gaben 17,7 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Im Jahr 2008 waren es noch 11,6 Prozent (plus 53 Prozent). Der Anteil der regelmäßigen Konsumenten (mehr als zehnmal in den vergangenen zwölf Monaten) stieg von 3,1 Prozent im Jahr 2008 auf 4,6 Prozent. Bei allen Befragten im Alter von 12 bis 25 Jahren stieg die Zahl der regelmäßigen Kiffer von 2,3 auf 3,5 Prozent.” (Quelle: Spiegel)

Was ist an dieser Aussage und wie die Studie interpretiert wird irreführend?

Nun, zunächst eine Frage: Sind Personen im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren wirklich Jugendliche?
Eine Überschrift die ausruft: “Achtung, mehr junge Kiffer”, suggeriert, dass es mehr minderjährige Kiffer gibt. Zwar stieg auch die Zahl der Minderjährigen die Cannabis ausprobiert haben seit 2008, aber bei weitem nicht so stark wie in der Gruppe der 18 bis 25 Jährigen.

Ein weiterer Kritikpunkt, wie die Studie aufgegriffen wurde richtet sich an Frau Mortler. Sie hat in ihrer Presserklärung als Begründung gegeben, dass die aktuellen Debatten zur Legalisierung von Cannabis zu einer Verharmlosung der Droge führen.

Deshalb ist nach ihrer Meinung der Anteil an “jungendlichen” Konsumenten von Cannabis gestiegen. Allerdings vergisst Frau Mortler, dass diese Studie für 2014 erstellt wurde, aber die aktuellen Debatte zur Legalisierung erst 2015 wieder richtig in die Schlagzeilen der Medien kamen, zuletzt durch den Antrag der Grünen im Bundestag zur Legalisierung von Cannabis.

Des Weiteren, wer einen Blick in die Studie wirft sieht, dass der Anteil von Jugendlichen (12 – 17 Jahren), als auch von Erwachsenen (18 – 25 Jahren) von 2004 bis 2014 deutlich gesunken ist (siehe Grafik aus der Studie unten).

2004 hatten noch 15,9% der befragten in der Altersgruppe 12 – 17 angegeben einmal Cannabis ausprobiert zu haben, 2014 sind es noch 8.9%.

Wirklich mehr junge Kiffer in Deutschland? Studie zum Cannabis Konsum unter Jugendlichen

Hier haben die Deutschen Medien mit 2008 als Vergleichspunkt einfach eine zu kleinen Ausschnitt genommen, der eigentlich nicht viel aussagt. Sie hätten auch schreiben können: “Halb so wenig minderjährige Kiffer wie in 2004”.

 

Aber selbst wenn man den Medien diesen Miniausschnitt von 2008 bis 2014 zugesteht und sagt:

Ja es haben mehr Menschen Cannabis ausprobiert, so muss man dennoch sagen, dass dieser Anstieg kaum einen Effekt auf den Anteil der Personen hat, die Cannabis regelmäßig oder innerhalb der letzten 30 Tagen konsumiert haben (siehe Grafik aus der Studie unten).

Wirklich mehr junge Kiffer in Deutschland? Studie zum Cannabis Konsum unter Jugendlichen 2

Was sagt das diese Studie denn nun wirklich?

Zeigt diese Studie nicht auch, dass ein großer Anteil der “jungen” Menschen die Cannabis ausprobiert haben, damit gut umgehen können?

Denn ein Ausprobieren bedeutet eben nicht, dass Menschen sofort in eine Abhängigkeit gerade oder ähnliche Probleme entstehen, wie gerne von Mortler und Co. behauptet.

Obwohl die Studie aus dem Hause Mortler kommt, sind die eigentlichen Erkenntnissen nicht erschütternd oder alarmierend – eher im Gegenteil. Erst im durch einen reißerischen Journalismus der nach der besten Headline sucht und Politiker die nur Ihre eigene Meinung Verteidigung wollen, wird die Studie als Argument gegen die Legalisierung instrumentalisiert.

Auch amüsant ist, dass eine Studie zum Alkoholkonsum unter Jugendlichen in Deutschland, die vor 2 Monaten veröffentlicht wurde, bisher weniger Aufmerksamkeit bekommen hat. Ihr könnt die Studium zum Alkohol unter Jugendlichen hier finden.

Aber es zeigt halt wieder welche starken Lobbies im Bundestag vertreten sind.

Als einzige Website verlinken wir übrigens direkt zu der Studie, anstelle einfach nur reißerische Aussagen in einer 150 Wörtermeldung zusammenzufassen.

Wer also einen Blick in die Studie werfen will und sich eine eigene Meinung über die Art der Fragen, etc. gewinnen möchte, der kann hier die gesamte Studie finden.

– An dieser Stelle entschuldigt sich die Redaktion von Kifferin.de für den aktuell schlechten Aufbau der Internetseite. Die Seite befindet sich zurzeit im Aufbau und wird in den nächsten Wochen weiter ausgebaut mit mehr spannender und ehrlicher Berichterstattung um das Thema Cannabis. Diese Eilmeldung sollte dennoch nicht verborgen bleiben und das gesamte Team hofft auf Verständnis und Unterstützung in dieser gemeinsamen Sache –

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here